Kurzbewerbung: Wann sie sinnvoll sein kann

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„Bitte lassen Sie uns eine Kurzbewerbung zukommen.“ Haben Sie diesen Satz schon einmal gehört? Immer öfter möchten Unternehmen in bestimmten Fällen zunächst eine Kurzbewerbung, um einen Bewerber besser einschätzen zu können. Viele Bewerber wissen jedoch nicht genau, was genau die Kurzbewerbung umfasst. In diesem Artikel verraten wir Ihnen, welche Bestandteile die Kurzbewerbung hat, in welchen Fällen Sie darüber nachdenken können, eine Kurzbewerbung zu verwenden und welche Vor- und Nachteile mit dieser Variante der Bewerbung einhergehen.

Was ist eine Kurzbewerbung überhaupt?

Bewerbungen können mitunter einen beachtlichen Umfang aufweisen. Nicht selten sind reguläre Bewerbungen mit allen Anhängen bis zu 30 Seiten lang. Das bedeutet für Bewerber viel Mühe beim Zusammenstellen aller relevanten Unterlagen. Aber auch der Personaler, der eine solche Bewerbung sichten und bewerten muss, hat durch die vielen Seiten mehr Arbeit. Deshalb gibt es Situationen im Berufsleben, in denen eine abgespeckte Version der regulären Bewerbung ausreicht: die Kurzbewerbung.

Eine Kurzbewerbung enthält wesentlich weniger Bestandteile als es bei vollständigen Bewerbungsunterlagen der Fall ist. Dabei versenden Sie nämlich lediglich Ihr Anschreiben und Ihren Lebenslauf. Letzteren können Sie wie immer um ein Bewerbungsfoto ergänzen. Weitere Dokumente und Nachweise schicken Sie jedoch nicht mit, wenn es sich um eine Kurzbewerbung handelt.

Die Kurzbewerbung gibt einen Vorgeschmack auf das, was ein Bewerber zu bieten hat. Oft prüfen Personaler ohnehin Lebenslauf und Anschreiben zuerst und machen davon abhängig, ob sie die weiteren Bestandteile der Bewerbung überhaupt näher in Augenschein nehmen. Diese Funktion erfüllt dann die Kurzbewerbung. Falls das Interesse des Unternehmens geweckt ist, fordert es in der Regel weitere Unterlagen an. Dann ist Ihre vollständige Bewerbung gefragt – samt Zeugnissen und weiteren relevanten Nachweisen sowie gegebenenfalls Dokumenten wie einem Deckblatt.

Kurzbewerbung

Vor- und Nachteile der Kurzbewerbung

Bewerber sind meist froh, wenn nur eine Kurzbewerbung gefragt ist. Dadurch geht es meist wesentlich schneller, die Bewerbung zusammenzustellen und abzuschicken. Schließlich muss nur der Lebenslauf auf den aktuellen Stand gebracht und auf den möglichen Arbeitgeber zugeschnitten sowie das Anschreiben verfasst werden. Die Mühe, alle Unterlagen in eine Bewerbung zu integrieren, müssen sich Bewerber erst dann machen, wenn der mögliche Arbeitgeber das explizit wünscht – und somit implizit Interesse an dem Kandidaten äußert.

Auch für Unternehmen hat der Erhalt einer Kurzbewerbung einige wichtige Vorteile. Nicht nur der Bewerber spart Zeit, sondern auch die Mitarbeiter der Personalabteilung, die häufig jeden Tag viele Bewerbungen lesen müssen. Anhänge und weitere Dokumente, die über Lebenslauf und Anschreiben hinausgehen, werden dabei in vielen Fällen zumindest bei der Vorauswahl interessanter Bewerber oft weniger beachtet. Sie spielen aus Sicht der Personalabteilung erst dann wirklich eine Rolle, wenn ein Kandidat in die nähere Auswahl kommt. Der Aufwand ist für das Unternehmen geringer, wenn es eine Kurzbewerbung erhält.

Der Nachteil einer Kurzbewerbung besteht darin, dass diese eine verkürzte Form der Bewerbung darstellt. Falls Sie mit Ihrem Anschreiben und Lebenslauf nicht überzeugen können, haben Sie gar nicht erst die Chance, mit Ihren Erfahrungen und guten Arbeitszeugnissen zu punkten. Es kann also sein, dass ein Bewerber abgelehnt wird, obwohl er bei genauerer Betrachtung doch viel zu bieten hätte. Andererseits ist es Ihre Aufgabe als Bewerber, Ihre Vorzüge in Anschreiben und Lebenslauf so darzustellen, dass damit das Interesse des möglichen Arbeitgebers geweckt wird.

In diesen Situationen kann es sinnvoll sein, eine Kurzbewerbung zu verschicken

Auch, wenn immer mehr Unternehmen Kurzbewerbungen positiv gegenüberstehen: Das Gros der Bewerbungen machen sie noch längst nicht aus. Nach wie vor ist es üblich, auf reguläre Stellenausschreibungen mit dem Versand der vollständigen Bewerbungsunterlagen zu antworten. In vielen Fällen wäre es keine gute Idee, auf eigene Faust zu entscheiden, dass Sie nur Anschreiben und Lebenslauf verschicken.

Eine Kurzbewerbung macht vielmehr in bestimmten Situationen Sinn. Das ist etwa häufig der Fall, wenn Sie sich für eine Tätigkeit als Aushilfe bewerben. Oft sind die Anforderungen von Arbeitgebern dann niedriger als bei regulären Vollzeit- oder Teilzeit-Stellen. Gerade, wenn die Bewerbung eher informell über die Bühne geht, reichen dem interessierten Arbeitgeber oft diese beiden Dokumente. Dennoch sollten Sie normalerweise Ihre vollständigen Unterlagen verschicken, wenn Sie sich für einen Minijob bewerben – es sei denn, der Arbeitgeber wünscht explizit eine Kurzbewerbung. Sie riskieren sonst, dass Ihre Bewerbung wegen der fehlenden weiteren Unterlagen auf den Absagen-Stapel gelegt wird.

Auch, wenn es um ein Praktikum geht, kann zunächst eine Kurzbewerbung gefragt sein. Auch hier kommt es jedoch auf die Präferenzen des Unternehmens an.

Kurzbewerbung bei einer Initiativbewerbung?

Kurzbewerbungen sind prinzipiell gut geeignet, um Arbeitgeber in aller Kürze auf Sie und Ihre Qualifikationen aufmerksam zu machen. Deshalb sind sie oft das Mittel der Wahl auf Jobmessen. Sie können Ihren Gesprächspartnern dann diese verkürzte Version der Bewerbung in die Hand drücken, wenn es Ihnen vielversprechend erscheint. Bei Interesse kann das Unternehmen dann weitere Unterlagen von Ihnen anfordern.

Auch bei Initiativbewerbungen kann eine Kurzbewerbung geeignet sein. Allerdings scheiden sich hier die Geister. Einerseits dürfte die Kurzbewerbung als Vorgeschmack in vielen Fällen zunächst ausreichen – die Möglichkeit, alle Unterlagen zu verschicken, haben Sie ja immer noch, wenn das Unternehmen Sie darum bittet. Andererseits macht das dem Unternehmen unnötig Arbeit. Erst mit allen Unterlagen kann es schließlich darüber befinden, ob ein Kandidat tauglich ist oder nicht. Aus dieser Sicht verzögert ein Versand einer Kurzbewerbung den Prozess nur unnötig.

Für welche Variante – die Kurzbewerbung oder reguläre Bewerbung – Sie sich bei einer initiativen Bewerbung entscheiden, liegt letztlich bei Ihnen. Falls Sie unsicher sind, verschicken Sie jedoch lieber gleich Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen. So sind Sie auf der sicheren Seite.

Tipps zum Verfassen der Kurzbewerbung

Sie möchten eine Kurzbewerbung verfassen und sind nicht ganz sicher, wie genau Sie Anschreiben und Lebenslauf dafür aufbauen sollten? Orientieren Sie sich dabei daran, was sonst für diese beiden wichtigen Dokumente auch gilt. Weil Sie keine weiteren Unterlagen anhängen, die – wie etwa positive Arbeitszeugnisse – für Sie sprechen können, sollten Sie sicherstellen, dass Anschreiben und Lebenslauf bestmöglich formuliert sind. Das ist nur dann der Fall, wenn Sie nicht nur Ihre Qualifikationen optimal herüberbringen, sondern Ihre Bewerbung auch individuell auf eine bestimmte Stelle zuschneiden.

Im Anschreiben legen Sie auf einer Seite dar, was Sie dem Unternehmen zu bieten haben – und auch, was Sie an einer Mitarbeit reizt. Letzteres sollte gut begründet sein und wird von vielen Bewerbern vernachlässigt. Hier liegt Ihre Chance, zu punkten. Fokussieren Sie die wichtigsten Punkte, die für Sie sprechen. Nennen Sie im Anschreiben auch ausgewählte Soft Skills, die Ihrer Meinung nach besonders gut zur angestrebten Stelle passen. Diese Soft Skills sollten Sie mit Anekdoten und Beispielen belegen, weil sie andernfalls nicht aussagekräftig und nicht überzeugend sind.

Was beim Lebenslauf in der Kurzbewerbung wichtig ist

Verwenden Sie außerdem wie gehabt einen tabellarischen Lebenslauf. Darin sollten sich die üblichen Informationen zu Ihrer Person, Ihrem beruflichen Werdegang, dem Bildungsweg, weiteren Kenntnissen und Fähigkeiten und gegebenenfalls Hobbys und Interessen finden. Wie immer sollten Sie bei wichtigen Erfahrungen stichpunktartig aufzählen, womit Sie sich bei der jeweiligen Station befasst haben.

Bei der Auswahl sollten Sie sich daran orientieren, was im angestrebten Job vermutlich besonders wichtig ist. Generell sollte der Lebenslauf maximal zwei Seiten lang sein. Als Bestandteil einer Kurzbewerbung können Sie das Dokument jedoch auch noch weiter verkürzen und bestimmte Angaben weglassen, wenn diese Ihnen nicht essenziell für die Bewerbung erscheinen.

Ob Sie ein Bewerbungsfoto nutzen möchten, liegt bei Ihnen. Es ist keine Pflicht, aber immer noch üblich und von den meisten Personalern gewünscht. Achten Sie auf eine gute Qualität, um einen professionellen Eindruck zu hinterlassen.

Wenn Sie vorhaben, Kurzbewerbungen zu einer Messe mitzunehmen, ist es natürlich kaum möglich, vorher jeweils individuelle Bewerbungen zu verfassen. Das wird auf einer Jobmesse jedoch auch nicht von Ihnen erwartet. Formulieren Sie in diesem Fall allgemein, aber dennoch überzeugend. Statt auf den möglichen Arbeitgeber gehen Sie etwa in Ihrem Anschreiben noch stärker auf Ihre Qualifikationen ein. Rücken Sie solche Fähigkeiten und Erfahrungen in den Mittelpunkt, die Ihnen für die meisten Jobs am sinnvollsten erscheinen.