Burnout: Symptome, Prävention und Tipps für Betroffene

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Für viele Menschen ist Stress zum Dauerzustand geworden. Überlastung kann auf Dauer gesundheitliche und psychische Folgen haben, die sich als Burnout manifestieren können. Umso wichtiger ist es, auf bestimmte Anzeichen zu reagieren, um dem Leiden vorzubeugen. Worauf Sie dabei achten sollten, erfahren Sie hier – außerdem geben wir Ihnen Tipps, was Sie bei der Diagnose Burnout tun können.Eine Geschäftsfrau ist im Meeting und leidet unter Burnout

Burnout: Wenn Stress und Überlastung chronisch werden

Viele Menschen empfinden ihren Alltag als stressig; sie haben das Gefühl, permanent alles geben zu müssen und doch nicht alles schaffen zu können. Ein solcher Alltag wird häufig als hektisch wahrgenommen, die Entspannung kommt zu kurz. Dass sich die Situation aus Sicht vieler Menschen in den letzten Jahren und Jahrzehnten verschlechtert hat, hängt auch mit gestiegenen Anforderungen in der Arbeitswelt zusammen. Viele Arbeitnehmer machen regelmäßig Überstunden und haben in ihrer knappen Freizeit das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen – oder können selbst nicht abschalten.

Wird Stress chronisch, kann ein Burnout die Folge sein. Hinter diesem Syndrom verbirgt sich ein Zustand massiver psychischer und körperlicher Erschöpfung. Der Begriff Burnout hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, geprägt wurde er allerdings schon einige Jahrzehnte früher. Der deutsch-amerikanische Psychologe Herbert Freudenberger hat ihn im Jahr 1974 erstmals verwendet. Freudenberger beschrieb damit die Überlastung von Arbeitnehmern in sozialen Berufen. Längst ist der Begriff jedoch nicht mehr auf bestimmte Berufe begrenzt. Genauso wenig muss das Leiden seinen Ursprung überhaupt im Job haben, auch wenn das häufig der Fall ist.

Bislang gilt Burnout nicht als eigenständige Krankheit. Das soll sich ändern: Vom Jahr 2022 an soll das psychische Leiden als Diagnose in die Internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) der Weltgesundheitsorganisation WHO aufgenommen werden. Das trägt der Tatsache Rechnung, dass viele Menschen an Burnout leiden. Betroffen sind nach einer Erhebung der Krankenkasse AOK insbesondere Menschen im mittleren und höheren Alter. Bei Menschen ab 60 Jahren steigt das Risiko eines Burnouts stark an. Zusammen mit anderen psychischen Erkrankungen zählt es zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit.

Ursachen

Kommt es zu einem Burnout, hat das oft viele Ursachen. In den Erklärungen für die Entstehung wird zwischen Ansätzen unterschieden, die die Arbeit als Ursache sehen, und Ansätzen, die sich auf die Persönlichkeitsmerkmale der Betroffenen fokussieren. In der Praxis handelt es sich oft um eine Kombination aus beidem.

Besonders Überlastung im Beruf kann Burnout-Symptome hervorrufen. Oft liegt das Problem aber in einem Zusammenspiel aus verschiedenen beruflichen wie privaten Faktoren. Viele Betroffene haben einen stressigen Job, in dem die Erwartungen hoch sind – die des Chefs, aber oft auch die eigenen. Wer sehr ehrgeizig ist, hat tendenziell ein größeres Risiko, an Burnout zu erkranken. Dasselbe gilt für perfektionistische Menschen, die an jeder Front glänzen möchten – ein Vorhaben, das oft zum Scheitern verurteilt ist.

Obgleich die Ursachen für einen Burnout in vielen Fällen im Job zu suchen sind, ist dieser nicht immer für sich genommen ein Problem. Bei einem stressigen Job, der mit vielen Überstunden einhergeht, bleibt meist kaum noch Zeit für Privates. Betroffene geben oft im Beruf alles und müssen sich in ihrer knapp bemessenen Freizeit um private Verpflichtungen kümmern. Zeit, um zu entspannen und abzuschalten, bleibt oft nicht oder zu selten. Auch eine mangelhafte Work-Life-Balance kann deshalb zur Entstehung eines Burnouts beitragen.

Mangelnde Anerkennung kann die Entstehung eines Burnouts begünstigen

Wer an Burnout leidet, sehnt sich häufig nach größerer Anerkennung. Werden die eigenen Leistungen, privat oder beruflich, hingegen nicht ausreichend gewürdigt, kann das Frust hervorrufen. Menschen, deren Selbstbild maßgeblich davon abhängt, wie sie von anderen wahrgenommen werden, leiden deshalb eher an der Erkrankung. Überdurchschnittlich häufig betroffen sind zudem Menschen, die sich in hohem Maße im Job und für andere engagieren. Bleiben die erhofften Ergebnisse – oder die gewünschte Anerkennung – aus, fühlen sich viele ohnmächtig: Sie geben ihr Bestes und schaffen es (scheinbar) doch nicht. Häufig liegt das auch daran, dass die eigenen Ziele unrealistisch sind.

Zu den Faktoren, die die Entstehung eines Burnouts begünstigen können, können auch ein lauter Arbeitsplatz, ein stressiger Arbeitsweg, ein schlechtes Betriebsklima oder ein zu geringer Lohn zählen. Nicht nur Überforderung, sondern auch Unterforderung kann zu einem Burnout führen. Häufig ist in diesem Fall allerdings ein Boreout die Folge.

Symptome

Verschiedene Anzeichen deuten auf einen Burnout hin. Wie ausgeprägt die Symptome sind, hängt davon ab, wie fortgeschritten der Erschöpfungszustand bereits ist. Anfangs fühlen sich Betroffene oft „nur“ ständig gestresst und müde, möglicherweise schlafen sie schlecht und verspüren immer seltener Glücksgefühle und Zufriedenheit.

Je mehr sich die Lage verfestigt, desto eher kommen weitere körperliche, psychische und geistige Symptome hinzu. Schließlich fühlen sich viele Betroffene dauerhaft ausgebrannt, sie sind weniger leistungsfähig und können Symptome für Burnout zeigen, die einer Depression ähneln. Dazu gehört es, keine Freude mehr zu empfinden. Eine innere Leere und Abstumpfung sind ebenfalls deutliche Anzeichen.

Psychische Symptome für Burnout

Zu den psychischen Symptomen für Burnout können gehören:

  • Unzufriedenheit
  • Reizbarkeit
  • Freudlosigkeit
  • Zurückgehendes Interesse an Menschen oder Dingen, die zuvor wichtig waren
  • eine andauernde Niedergeschlagenheit
  • Rückzug
  • innere Leere
  • Ohnmachtsgefühle
  • das Gefühl, keine Kontrolle über das eigene Leben zu haben
  • Panikattacken
  • Angstzustände
  • Frust
  • Resignation
  • impulsives Verhalten
  • Antriebsschwäche

Körperliche Anzeichen für Burnout

Begleitet wird ein Burnout in der Regel von verschiedenen körperlichen Symptomen:

  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit
  • Rückenschmerzen
  • Kopf- und Nackenschmerzen
  • Magenprobleme
  • Verspannungen
  • geschwächtes Immunsystem
  • hoher Blutdruck
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • Schwindelgefühle
  • Übelkeit
  • Tinnitus
  • Essstörungen

Geistige Burnout-Symptome

Auch auf geistiger Ebene können sich Symptome für Burnout manifestieren, darunter:

  • Gefühle des Versagens
  • Konzentrationsprobleme
  • andauernde negative Gedanken
  • Pessimismus
  • nachlassende Leistung
  • Gleichgültigkeit

Burnout oder Depression?

Viele Symptome für Burnout ähneln denen einer Depression, etwa Freudlosigkeit, Rückzug und Antriebslosigkeit, Schlafstörungen oder andere körperliche Beschwerden. Tatsächlich kann beim Burnout-Syndrom gleichzeitig eine Depression in mehr oder weniger schwerer Ausprägung vorliegen. Es gibt jedoch auch Unterschiede. Bislang ist Burnout nicht als eigenständige Krankheit anerkannt, anders als die Depression. Erst mit dem Inkrafttreten des neuen Katalogs der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) der WHO im Jahr 2022 wird sich das ändern. Bis dahin kann Burnout offiziell nur eine Zusatzdiagnose sein.

Die Symptome einer Depression sind klar abgrenzbar, während die Burnout-Symptome vielfältiger und oft weniger eindeutig sind. Beide  unterscheiden sich auch im Hinblick auf die Diagnosestellung. Bei Depressionen ist nicht entscheidend, wie die Krankheit entstanden ist. Ein Arzt oder Psychotherapeut kann die Diagnose anhand der allgemein anerkannten Symptome stellen, ohne zu wissen, welche Faktoren bei der Entstehung eine Rolle gespielt haben.

Das ist bei Burnout anders. Hier sind es gerade die Ursachen, die Aufschluss darüber geben, ob es sich tatsächlich darum handelt oder nicht. Wer im Alltag nicht auf die eine oder andere Weise überlastet ist, wer nicht ausgebrannt ist, der leidet auch nicht an Burnout.

Gleichzeitig steigt durch einen Burnout das Risiko einer Depression. Vor allem im fortgeschrittenen Stadium ähneln die Anzeichen oft in großen Teilen denen einer Depression. Oft sind die Symptome so eindeutig, dass es sich auch im klinischen Sinne zugleich um eine Depression handelt.

Behandlung

Wenn Sie Anzeichen für Burnout bei sich feststellen, ist es wichtig, zu handeln. Je früher Sie etwas an Ihrer Situation verändern, desto besser sind die Aussichten. Wer sich hin und wieder überlastet fühlt, sollte herausfinden, wodurch diese Gefühle entstehen. Ist es der Stress im Job? Sind es Probleme im Privatleben? Oder ist es eine Mischung aus beruflichen und privaten Anforderungen, die Ihnen zu viel wird? Von den Ursachen für erste Burnout-Symptome hängt ab, was Sie dagegen tun können.

Oft ist es nötig, sowohl die eigene Lage zu verändern als auch die eigene Haltung. In manchen Fällen kann eine veränderte Sichtweise schon helfen. Vielleicht machen Sie sich unnötigen Stress und erwarten zu viel von sich selbst. Sie können lernen, Stress gar nicht erst entstehen zu lassen und Ihre Erwartungen auf ein realistisches Niveau zu senken. Wichtig ist auch, dass Sie sich bewusst Auszeiten nehmen. Das kann einen freien Abend mit Ihrer Lieblingsserie, einem leckeren Essen oder einem Bad ebenso betreffen wie eine Woche Spontan-Urlaub, in dem Sie sich auf sich selbst besinnen. Eine gesunde Lebensweise mit gesunder Ernährung, viel Bewegung und ausreichend Schlaf sind darüber hinaus entscheidend, um Stress zu reduzieren.

Oft ist eine grundlegende Veränderung nötig, um die Lage zu verbessern

Nicht immer reicht es, die eigene Sichtweise zu ändern, um einen Burnout abzuwenden. Vor allem, wenn die Symptome schon länger bestehen, kann es sein, dass eine grundlegende Veränderung nötig ist. Sie kommen in solch einer Situation nicht weiter, wenn Sie im Job alles machen wie bisher. Das bedeutet nicht, dass Sie sofort kündigen müssten. Auch ein klärendes Gespräch mit dem Chef kann reichen, um die Situation zu verbessern.

Wenn alle Anzeichen darauf hindeuten, dass schon ein Burnout entstanden ist, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Lassen Sie sich dort beraten. Ein Arzt kann auch andere Erkrankungen ausschließen, die insbesondere für körperliche Symptome verantwortlich sein könnten. Er kann Sie anschließend an einen Psychotherapeuten oder eine andere Anlaufstelle verweisen. Je schwerwiegender die Burnout-Symptome, desto wichtiger ist eine professionelle Behandlung der Erkrankung.

Menschen, die unter Burnout leiden, können eine Psychotherapie machen. In schweren Fällen kann auch ein Klinikaufenthalt helfen. Auf einer niederschwelligen Ebene gibt es die Möglichkeit, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen oder sich an einen privaten Coach zu wenden.

Bildnachweis: fizkes / Shutterstock.com