Berufsschulzeugnis oder IHK-Zeugnis: Was gehört in die Bewerbung?

VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung: 0.0 / 5 (0 Bewertungen abgegeben)

Bewerber, die eine abgeschlossene Berufsausbildung haben, sind oft unsicher, welche Nachweise sie in einer Bewerbung mitschicken sollen. Besonders oft kommt die Frage auf, ob das Berufsschulzeugnis oder das IHK-Zeugnis wichtiger ist, um die bestandene Ausbildung nachzuweisen. In diesem Artikel geben wir dir Tipps zur Auswahl und zum richtigen Vorgehen.

Mit welchen Dokumenten kann eine abgeschlossene Berufsausbildung belegt werden?

Zu fast jeder Bewerbung gehören Anlagen. Das sind relevante Anhänge in Form von Nachweisen über wichtige Tätigkeiten und Erfahrungen. Es ist wichtig, diese Anlagen nicht durch zu viele Nachweise zu überfrachten. Sonst wird die Bewerbung schnell sehr umfangreich. Gleichzeitig dürfen wichtige Belege nicht fehlen. Zu diesen wichtigen Belegen gehören neben aktuellen Arbeitszeugnissen auch Zeugnisse, die den eigenen Bildungsweg dokumentieren.

Wenn du eine Berufsausbildung gemacht hast, solltest du also bestimmte Nachweise unbedingt anhängen. Dabei hast du jedoch mehrere Dokumente zur Verfügung. Du hast das Berufsschulzeugnis, das dir die Berufsschule ausgestellt hat. Hinzu kommt das Prüfungszeugnis der Industrie- und Handelskammer (IHK) oder der zuständigen Handwerkskammer. Außerdem hast du wahrscheinlich nach deiner Ausbildung ein Ausbildungszeugnis von deinem Betrieb bekommen.

Als Berufseinsteiger ist außerdem das Zeugnis über deinen höchsten Schulabschluss von Interesse für mögliche Arbeitgeber. Dabei kann es sich zum Beispiel um das Realschulzeugnis oder das Abiturzeugnis handeln. Weiter zurück solltest du bei der Auswahl relevanter Belege für deine Bewerbung jedoch nicht gehen. Hänge also keine älteren Schulzeugnisse an. Bewerber, die schon etwas mehr Berufserfahrung haben, können auch darauf verzichten, das letzte Schulzeugnis in ihrer Bewerbung zu verwenden.

IHK oder Berufsschulzeugnis

Welche Aussagekraft haben die jeweiligen Nachweise?

Jegliche Bescheinigungen über deine abgeschlossene Ausbildung sind prinzipiell interessant für mögliche künftige Arbeitgeber. Sie möchten sich ein möglichst genaues Bild von deinen Fähigkeiten und Kenntnissen machen. Dazu sind Belege im Rahmen der Berufsausbildung grundsätzlich sehr informativ. Sie erleichtern dem Personalverantwortlichen die Entscheidung, ob er dich zum Vorstellungsgespräch einladen soll oder nicht. Doch wie hoch ist die Aussagekraft der einzelnen Nachweise über deine Ausbildung?

Das steht im Berufsschulzeugnis

Das Berufsschulzeugnis stellt dir deine Berufsschule am Ende deiner Ausbildung aus. Es enthält deine letzten Noten in den verschiedenen Unterrichtsfächern im Detail. Im Berufsschulzeugnis findet sich außerdem ein Vermerk darüber, dass du die Berufsschule erfolgreich besucht hast. Anders wäre es bei einem Abgangszeugnis, das du erhältst, wenn deine Noten zu schlecht für einen Abschluss waren.

Du kannst auch ohne abgeschlossene Berufsschule an der Prüfung der IHK oder Handwerkskammer teilnehmen und somit einen Berufsabschluss erlangen. Gleichzeitig ist es – abhängig von den Regelungen im jeweiligen Bundesland – möglich, durch den Berufsschulabschluss einen Hauptschulabschluss nachzuholen oder sogar die Fachhochschulreife zu erwerben. Auch das kann qualifizierend wirken.

Der formelle Nachweis: Die Urkunde von IHK oder Handwerkskammer

Das Zeugnis von IHK oder Handwerkskammer ist das formelle Prüfungszeugnis. Es ist auch als Kammerzeugnis bekannt. In dieser Urkunde wird dokumentiert, dass du die Abschlussprüfung deiner Ausbildung bei IHK oder Handwerkskammer bestanden hast. Außerdem enthält es Details zu deinem Beruf und einem möglichen Schwerpunkt deiner Ausbildung. Dein Abschluss wird in Punktzahl und Note angegeben. Interessierte Arbeitgeber können an dem IHK-Zeugnis auch erkennen, wie du dich in den einzelnen Bestandteilen der Prüfung gemacht hast.

Das Ausbildungszeugnis gewährt tiefere Einblicke

Was du gelernt hast und wie zufrieden man im Ausbildungsbetrieb mit deinen Leistungen und deinem Verhalten war, geht aus dem Ausbildungszeugnis hervor. Du hast einen Anspruch darauf, dass dir der Betrieb einen solchen Nachweis ausstellt. Unterschieden werden muss zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Zeugnis. Das einfache Zeugnis enthält nur die gesetzlichen Pflichtangaben. Dazu zählen etwa die Eckdaten deiner Ausbildung sowie eine Beschreibung der Fähigkeiten, die du während deiner Ausbildung erlernt hast.

In einem einfachen Ausbildungszeugnis finden sich keine Angaben zu deiner Leistung. Das ist nur in einem qualifizierten Ausbildungszeugnis der Fall. Auch darauf hast du einen Anspruch – auf Verlangen muss der Betrieb im Ausbildungszeugnis Angaben zu Verhalten und Leistung während der Ausbildung machen. Hier können sich also Angaben darüber finden, wie es um dein Engagement und deine Leistungsbereitschaft bestellt war, welche Fähigkeiten und Merkmale du eingebracht und gezeigt hast und wie gut deine Arbeit war.

Hinzu kommt eine Bewertung deines Sozialverhaltens. Wie hast du dich mit Kollegen und Vorgesetzten verstanden? Hast du dich gegenüber Kunden und anderen außenstehenden Personen stets freundlich und in jeder Hinsicht vorbildlich verhalten?

Zusätzlich enthält ein qualifiziertes Zeugnis alle Angaben, die auch in einem einfachen Ausbildungszeugnis enthalten sein müssen. Zwar sind in einem Ausbildungszeugnis Noten eher ungewöhnlich, auch wenn sie durchaus eingesetzt werden können. Dennoch lassen sich aus einem solchen Zeugnis wie bei einem Arbeitszeugnis auch Rückschlüsse auf die Zufriedenheit des Betriebes ziehen – und zwar in Form von versteckten Noten. Die Feinheiten der Formulierungen machen dabei oft einen großen Unterschied.

Wie Arbeitszeugnisse müssen auch Ausbildungszeugnisse wohlwollend formuliert sein. Du solltest dein Zeugnis nach Erhalt eingehend prüfen. Ziehe im Zweifel einen Experten hinzu. Falls du die Einschätzung deines Ausbildungsbetriebes nicht teilst und dafür gute Gründe vorbringen kannst, kannst du das Zeugnis auch anfechten.

Welche Nachweise du in einer Bewerbung verwenden solltest

Prinzipiell ist es sinnvoll, alle drei Nachweise über deine abgeschlossene Berufsausbildung – das Berufsschulzeugnis, das IHK-Zeugnis und das betriebliche Ausbildungszeugnis – in einer Bewerbung zu verwenden. Das ist jedenfalls der Fall, wenn du dich im selben Bereich bewirbst, in dem du auch die Ausbildung gemacht hast, und die Ausbildung noch nicht allzu lange zurückliegt.

Möchtest du dich hingegen anderweitig orientieren, solltest du zumindest das IHK-Zeugnis nutzen. Das Berufsschulzeugnis ist hingegen weniger von Interesse, wenn deine Unterrichtsfächer von damals nichts mehr mit den Inhalten des angestrebten Jobs zu tun haben. Wenn du schon länger im Beruf stehst, kannst du oft ebenfalls auf das Berufsschulzeugnis verzichten. Es gibt einem Personalverantwortlichen im Zweifel weniger aufschlussreiche Einblicke als das Kammerzeugnis.

Warum es sich meist lohnt, das Ausbildungszeugnis zu verwenden

Das Ausbildungszeugnis, welches dir dein Betrieb ausgestellt hat, belegt, wie du dich praktisch gemacht hast. Insofern solltest du es in der Regel in deine Bewerbung integrieren. Auch, wenn du künftig etwas anderes machen wolltest, lohnt es sich oftmals, das betriebliche Ausbildungszeugnis dennoch zu verwenden.

Das betriebliche Ausbildungszeugnis kommt in seiner Bedeutung einem Arbeitszeugnis gleich und ist somit ein wichtiger Hinweis auf deine Fähigkeiten, deine Leistungen und dein Verhalten. Gerade als Berufsanfänger solltest du das betriebliche Ausbildungszeugnis deshalb auch dann verwenden, wenn deine Ausbildung und die angestrebte Tätigkeit nicht unmittelbar zusammenhängen.

Falls du die Berufsschule nicht bestanden hast, ist es in der Regel besser, das Berufsschulzeugnis in deiner Bewerbung wegzulassen. Du würdest einem möglichen Arbeitgeber mit einem reinen Abgangszeugnis nur deutlich machen, in welchen Fächern du (zu) schlecht warst und dass du die Schule nicht bestanden hast. Das rückt dich nicht in ein gutes Licht. Belasse es deshalb lieber beim Kammerzeugnis.

Wie du deine Zeugnisse richtig sortierst

Wenn du Nachweise über deine Berufsausbildung und andere wichtige Erfahrungen an deine Bewerbung anhängst, solltest du dabei durchdacht vorgehen. Es ist nicht empfehlenswert, die Nachweise einfach in beliebiger Reihenfolge zu ordnen. Vielmehr solltest du dich an der Bedeutung des jeweiligen Dokuments orientieren.

Als Berufseinsteiger sind deine Zeugnisse von der Berufsausbildung in der Regel die ersten Anhänge überhaupt. Sie sind wichtiger als das Zeugnis über den höchsten Schulabschluss. Doch wie ordnest du Kammerzeugnis, Berufsschulzeugnis und Ausbildungszeugnis richtig? Das ist ein Stück weit Ansichtssache. Welches Zeugnis ist aus deiner Sicht das aussagekräftigste?

Normalerweise gilt: Das Kammerzeugnis sollte vor dem Berufsschulzeugnis stehen. Das Ausbildungszeugnis kannst du entweder noch davor oder danach einordnen. Es macht Sinn, mit dem IHK-Zeugnis zu beginnen, weil es die formelle Bestätigung über deinen Abschluss ist. Wie deine Leistungen während der Ausbildung waren, erfährt der Leser dann im Anschluss. Denkbar ist also die Reihenfolge Kammerzeugnis, Ausbildungszeugnis, Berufsschulzeugnis. Auch Kammerzeugnis, Berufsschulzeugnis und Ausbildungszeugnis ist als Anordnung möglich.