Bewerbung ohne Foto: Geht das?

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Wer sich hierzulande auf eine Stelle bewirbt, schickt meist automatisch ein Bewerbungsfoto mit. Aber ist das wirklich nötig? Und ist es ein Nachteil, wenn eine Bewerbung ohne Foto versendet wird? Wir verraten es Ihnen in unserem Ratgeber.

Das Bewerbungsfoto als Standard bei Bewerbungen

Bei Bewerbungen sind in der Regel vollständige Bewerbungsunterlagen gefragt. Für die meisten Bewerber zählt hierzu neben Lebenslauf, Anschreiben, Zeugnissen und Nachweisen noch etwas: das Bewerbungsfoto. In Deutschland ist es nach wie vor üblich, dass ein Lebenslauf nicht nur Informationen über die bisherigen Erfahrungen eines Bewerbers enthält, sondern auch ein Foto.

Dass Bewerbungsfotos von den meisten Bewerbern standardmäßig verwendet werden, hängt auch mit den Erwartungen der Arbeitgeber zusammen. Denn auch, wenn es nicht offen ausgesprochen wird, herrscht unter Personalverantwortlichen die Erwartung vor, dass ihnen Bewerber ein Bild von sich schicken und sie die Kandidaten dadurch auch anhand ihrer Optik beurteilen können. Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte – es gibt dem Personaler eine Vorstellung davon, wie professionell ein Kandidat auftritt und lässt damit Rückschlüsse auf seine Eignung für die Stelle zu. Bewusst oder unbewusst lassen sich Entscheidungsträger damit vom Äußeren eines Bewerbers leiten, wenn sie eine Personalentscheidung treffen.

In manchen anderen Ländern sind Bewerbungsfotos hingegen nicht nur unüblich, sondern sogar ausdrücklich unerwünscht. Das betrifft etwa die USA und Großbritannien. Wenn ein Bewerber sich in solchen Ländern mit Bild bewirbt, wird seine Bewerbung mitunter deswegen abgelehnt – ungeachtet seiner Fähigkeiten. Das liegt daran, dass Unternehmen sich nicht angreifbar machen möchten. Es könnte schließlich der Eindruck entstehen, der erfolgreiche Kandidat hätte sich auch wegen seines Fotos durchgesetzt, während andere Bewerber wegen ihres fehlenden Bildes diskriminiert wurden.

Darf der Arbeitgeber ein Bewerbungsfoto fordern?

Dabei darf der Arbeitgeber auch in Deutschland kein Bewerbungsfoto fordern. Denn auch hier gelten strenge Antidiskriminierungsgesetze. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das seit Sommer 2006 in Kraft ist, untersagt entsprechende Forderungen von Arbeitgebern. Arbeitnehmer sollen nicht wegen ihres Geschlechts, ihres Alters oder ihrer Hautfarbe diskriminiert werden. Auch Behinderungen, die Religionszugehörigkeit oder Weltanschauungen sollen nicht dazu führen, dass ein Bewerber schlechtere Chancen hat.

Unternehmen verlangen entsprechend nicht explizit ein Foto von ihren Bewerbern. Die meisten Bewerber verschicken das Foto jedoch ganz freiwillig trotzdem. Sie rechnen sich bessere Chancen aus, wenn das Foto sie seriös und freundlich wirken lässt. Und das dürfte in vielen Fällen auch der Wahrheit entsprechen.

Eine Frau hält ein Blatt Papier mit einem Smiley vor ihr Gesicht.

Vor- und Nachteile des Bewerbungsfotos

Ein Bewerbungsfoto mitzuschicken hat Vor- und Nachteile – sowohl für Bewerber als auch für Arbeitgeber. Die Vorteile haben vor allem Bewerber, die ein qualitativ hochwertiges Bild von sich verschicken. Wer in einen guten Fotografen investiert, sorgt dafür, dass er auf dem Bewerbungsfoto bestmöglich abgelichtet wird. Er kann sich so zeigen, wie er vom möglichen Arbeitgeber wahrgenommen werden möchte – etwa als seriöser, vertrauenswürdiger Kandidat. Damit hat er Mitbewerbern etwas voraus, die weniger gut auf ihrem Bild getroffen sind oder gar kein Bild von sich verschicken.

Nicht nur der professionelle Auftritt eines Kandidaten kann Personaler überzeugen. Auch Sympathie ist nicht unwichtig bei der Entscheidung darüber, welche Bewerber in die engere Auswahl genommen werden. Auch diesbezüglich kann ein gutes Foto nützlich für Bewerber sein.

Für Personalverantwortliche geht es bei Bewerbungsfotos darum, ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, ob ein Bewerber nicht nur fachlich, sondern auch persönlich ins Team passen könnte. Ist das Bewerbungsfoto qualitativ nicht optimal oder veraltet, kann es jedoch zum Nachteil für den Bewerber werden. Solchen Bewerbern können mangelndes Engagement und mangelnde Sorgfalt unterstellt werden. Die Unterstellung: Wenn ihnen wirklich etwas an diesem Job gelegen wäre, hätten sie dann nicht Geld in ein gutes Foto investiert? Problematisch können Bewerbungsfotos auch für Bewerber sein, die Piercings oder Tattoos haben, ein Kopftuch tragen oder die schlicht nicht den freundlichsten Gesichtsausdruck haben.

Minderwertige Qualität kann das Bewerbungsfoto zum Nachteil machen

Von Bewerbungsfotos aus dem Automaten wird dringend abgeraten, weil das Ergebnis qualitativ minderwertig ist und solche Fotos den Eindruck vermitteln, der Kandidat nehme es mit der Qualität nicht so genau. Aus solchen Fotos schließen manche Personaler, auch die Arbeitseinstellung dieser Kandidaten lasse zu wünschen übrig. Nicht jeder hat jedoch Geld für die oft teuren Fotos von Profis übrig, oder aber die Bewerbungsfrist ist zu kurzfristig, um noch neue Bilder anfertigen zu lassen. Eine suboptimale Bildqualität kann effektiv zu einer Diskriminierung mancher Bewerber führen.

Auch für Personalverantwortliche können Bewerbungsfotos allerdings ein Nachteil sein – nämlich dann, wenn sie sich von der Optik eines Bewerbers blenden lassen. Dann wird womöglich einem anderen Bewerber der Vorzug gegeben, der fachlich weniger qualifiziert ist als andere Kandidaten. Wären Bewerbungen standardmäßig ohne Foto, läge der Fokus stärker als bisher auf den tatsächlichen Qualifikationen eines Bewerbers. Bewerber hätten damit eher die gleichen Chancen im Auswahlprozess.

Eine Bewerbung ohne Foto verschicken – ist das möglich?

Rechtlich ist die Sache klar: Kein Bewerber muss ein Bewerbungsfoto verschicken. Praktisch kann es jedoch zu Nachteilen führen, wenn Sie auf ein Bewerbungsfoto in Ihrem Lebenslauf oder auf dem Deckblatt verzichten. Manche Personaler sind skeptisch, wenn sie eine Bewerbung ohne Foto auf den Schreibtisch bekommen. So mancher fragt sich, ob ein Bewerber ohne Bild etwas zu verbergen hat. Unwillkürlich bevorzugen viele Personalverantwortliche Bewerbungen, zu denen ein Bewerbungsfoto gehört.

Andererseits gibt es wohl viele Bewerber, die eigentlich gerne auf das Bewerbungsfoto verzichten würden, das jedoch als zu riskant empfinden. Solange niemand den Anfang macht, wird sich an der Praxis hierzulande wohl trotz eigentlich klarer Gesetzeslage nichts ändern. Nur, wenn es normaler wird, dass nicht jede Bewerbung ein Bewerbungsfoto beinhaltet, fällt eine solche Bewerbung Personalverantwortlichen weniger negativ auf.

Wenn Sie künftig vor der Frage stehen, ob Sie wirklich ein Foto mitschicken sollen oder nicht, ist es sinnvoll, sich am angestrebten Job zu orientieren. Wenn es sich um eine Stelle handelt, die Sie wirklich gerne hätten, sind Sie mit einem professionellen Bewerbungsfoto auf der sicheren Seite. Das gilt auch für alle Stellen, bei denen Sie mit vielen qualifizierten Mitbewerbern rechnen müssen. Suchen Sie hingegen eine Aushilfsstelle, bei der die Anforderungen des Arbeitgebers ohnehin vergleichsweise gering sind, können Sie vielleicht auch mal auf das Foto verzichten.

Bildnachweis: dachazworks / Shutterstock.com